Emma – Ein Hund mit Vergangenheit

21. November 2017

Meine Emma.

Eine bayrische Gebirgsschweißhündin , die ich vor über 6 Monaten aus Spanien zu mir geholt habe. Noch nie hatte ich einen eigenen Hund, eigentlich nur mal für 2 Monate einen Pflegehund, den Speedy.

Als Speedy aber damals zu mir kam, war er eher „Slowly“. Ein 13 Jahre alter PitBull der mir allerdings diese 2 Monaten die er bei mir war, zu einer der Schönsten meines bisherigen Lebens gemacht hat. 19 war ich damals. Einen Hund gewünscht,  habe ich mir jedoch schon als 7jährige nur bekommen, habe ich nie einen.

Immer dieselben Gründe waren es : Kein Geld, keine Zeit.

Und ja, diese Dinge braucht man jetzt nach meinen eigenen Erfahrungen, gewiss…aber mal ganz zum Anfang zurückgespult..

Als ich mich endlich entschloss nach 20 Jahren Hundetraum mir einen Eigenen anzuschaffen und diesen Traum wahr werden zu lassen, war es mir dennoch wichtig, keinen vom Züchter zu holen. Ich wollte Einen retten. Einen Hund, den man vergessen und schlecht behandelt hatte, weil ich wusste, ich kann ihm ein schönes Leben schenken und mache somit etwas, was mich selbst noch glücklicher machen wird.

Da ich ein sehr geduldiger Mensch bin wenn es um andere geht, wollte ich mich dieser Aufgabe stellen.

Durch Freunde kam ich auf die Tierschutzorganisation „Adoptierenstattkaufen“ , sah mir deren Internetseite an und da sprang sie mir ins Gesicht. Der 3. mir angezeigte Hund hieß Alexia und ich verliebte mich von Knall auf Fall in sie, ja, ich schaute mir nicht mal die anderen Hunde an. Ob es vielleicht einen geben würde, der eventuell besser zu mir „passen“ könnte. Ich sah sie, wollte sie haben und die einzige Angst die ich dann hatte war, dass ich jetzt ganz schnell handeln müsse, bevor sie mir ein anderer wegschnappt.

Ich füllte das mir angegeben Formular aus und hatte am nächsten Tag schon eine ganz nette Dame am Telefon, die mir den ganzen weiteren Verlauf erklärte.

Emma (ehemals Alexia), war nämlich kein Straßenhund, wie so oft bei solchen Organisationen, sie war als Jagd- und Suchhund bei Jägern in Spanien untergebracht und die, ja die haben sie alles andere als gut behandelt. Wegschmeißen wollte man sie, weil sie nichts taugte. Kein ausgeprägter Jagdinstinkt, also kein Gebrauch, ab in die Tötungsstation mit ihr.

Diese „Menschen“ haben meine Emma getreten, geschlagen, ihr kein ordentliches Futter gegeben, sie verbrannt und ihr ins Ohr geschnitten. Was sie für ein Leben vorher hatte..mir schießen bis heute noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke.

Nun gut, nach etlichen Telefonaten, WhatsApp-Verläufen mit Bildern und Videos, einem kurzen Hausbesuch und einen Monat später, holte ich meine Emma an einer Raststätte in Grünberg ab. In dieser 16stündigen Fahrt, die sie und noch zig andere Hunde und Katzen ertragen mussten, um schlussendlich bei ihren neuen Besitzern zu landen, fiel sie mir in meine Arme wie ein Wrack. Ganz getreu dem Motto : Mach mit mir was du willst, ich habe eh keine Kraft mehr.

Ich fing an zu weinen als sie später bei mir im Auto saß. Ihr Kopf lag auf meinem Schoß, ihre Augen sahen aus, als würde sie schon seit 3 Jahren weinen. Aber da war dieses Gefühl, dieses Gefühl was mir deutlich sagte  : Das ist sie. Das ist deine Hündin, auf die du so lange hast warten müssen und jetzt wirst du sie retten.

Die erste Zeit war hart. Denn Emma war krank, bekam jeden Tag Antibiotika von mir und da muss man sich erstmal einspielen. Wie frisst sie es? Kann ich es in der Salami verstecken? Darf sie das überhaupt essen? Warum frisst sie ihr Hundefutter eigentlich nicht ?

(Bis heute muss Emma immer mal wieder Medikamente nehmen, Blut abgeben oder Haarproben, die mir schon einiges an Geld gesaugt haben. Aber mittlerweile, sind wir auf dem Weg der Besserung.)

Ich musste mich informieren, mich schlau machen, las Artikel und Bücher über traumatisierte Hunde, denn raus, ist Emma nur am ersten Tag mit mir gegangen. Eine einzige Situation mit einem Müllabfuhrwagen und das wars. Keinen Schritt ging sie mehr, Zuhause wurde sich aus Panik ständig unterworfen, nachdem ich z. B einfach nur mal eine Schranktür öffnen wollte.

Sie mochte keine Musik, keinen Fernseher und zum schlafen hat sie sich immer nur auf das kleine Stück kalte Boden gelegt, niemals auf den Teppich. Ihr Essen rührte sie kaum an was dazu führte, dass sie immer mal wieder was aus Mitleid, von meinem Teller abbekam. War blöd, weiß ich selbst.

Sie machte mir 5 Wochen jeden Tag mehrmals in die Küche, ging draußen keinen Schritt was für mich hieß : Bis zu 10 Mal am Tag runtergehen und sich vor die Haustür setzten. Ein Mensch, der nicht von Zuhause aus arbeiten kann, ja der, der hätte es sicher schwerer als ich gehabt.

3 Wochen lang setzte ich mich also jeden Tag mehrmals vor die Haustür, lernte nach und nach meine komplette Nachbarschaft kennen, spielte abends mit Freunden Karten, trank Kaffee, las Bücher oder arbeitet mit meinem Laptop. Unten, vor meiner Haustür.

Emma saß also jeden Tag, 3 Wochen lang, einfach nur so da und schaute sich um. Sie lernte die neuen Geräusche kennen, die Menschen. Kamen allerdings Männer an uns vorbei, kroch sie in mich hinein oder wollte zurück nach oben. Es zerbrach mir das Herz.

Hin und wieder ließ ich sie allein. Immer mal wieder etwas länger was dazu führte, dass ich sie heute bis zu 10 Stunden alleine lassen kann. In der Zeit schläft sie einfach. Dennoch, wenn ich abends nochmal weg muss oder erst Heim komme wenn es dunkel ist, lasse ich ihr ein Licht an. Das kommt zwar nicht oft vor denn ich weiß, am liebsten hat sie mich und meine Kleine um sich herum. Aber zurück nochmal zu unseren Anfängen.

Nach 3 Wochen, spät abends gegen 23 Uhr, ich spielt gerade Karten mit einer Freundin, bewegte sie sich plötzlich. Sie ging einfach von alleine los und fing an die Haustüren zu beschnuppern und fortan, wurde es besser. Nach 5 Wochen bekam ich sie stubenrein, was auch mein Herz erleichterte..denn man kann sich sicher gut vorstellen, dass dieser 20 kg Hund keine kleinen Haufen machte.

Stubenrein bekam ich sie mit Fleischwurst. Machte sie mal draußen, wurde fleißig gelobt, machte sie drin, kam ein böses „Eeeemmaaa“ und ein wortloses Wegwischen meinerseits. Sie sollte schließlich keine Angst vor mir haben. Dieses Gefühl sollte sie nie im Zusammenhang mit mir spüren, dafür hatte ich sie nämlich nicht zu mir geholt.

Die Wochen vergingen und Emma veränderte sich stetig. Mittlerweile schlief sie in ihrem Hundekorb oder in meinem Bett. Männer akzeptierte sie nach 4 Monaten, bellt aber bis heute dennoch, wenn mal der Pakettyp vor der Haustür steht. Ansonsten hört man außer ihrem Geschnarche, kaum was von ihr. Zweimal hatte sie in der Öffentlichkeit gebellt, weil mich Obdachlose angesprochen haben…aber andere Hunde oder einfach Menschen draußen? Nein. Nur halt Zuhause, ja auch knurren muss man sich als Fremder (nur Männer übrigens) bei uns von ihr „gefallen“ lassen. Natürlich habe ich das dann immer untersagt oder mache es immer noch, aber als uns Mia`s Vater mal für zwei Tage besucht hat…ja, da hat Emma ihn ununterbrochen diese Tage angeknurrt oder auch meinen alten Nachbarn, sobald er im Treppenhaus gleichzeitig mit uns stand. Ja sogar meinen Vater. Sah sie allerdings diese Männer öfters, hörte das auf. Manchmal nehme ich sie heute sogar mit zu meinem alten Nachbarn, dem sie ja so gar nicht über den Weg traute und jetzt ? Will ich die warme Wohnung von ihm verlassen und die 10 Minuten mit dem Rad in die neue Wohnung von uns antreten…versteckt sie sich mittlerweile einfach hinter ihm. Kälte und Regen, sind nämlich so gar nicht ihrs. 😀

Man merkt also : Geduld, Liebe und sich mit ihr immer wieder an gewisse Situationen rantrauen, haben mir den gewünschten Erfolg gebracht.

Mittlerweile läuft sie draußen auf dem Feld ohne Leine, weil sie sich kaum noch erschreckt und Reissaus nehmen will und sie hört auch sehr gut. Sie fährt perfekt Auto und auch Bahn/Zug. Sie freut sich wahnsinnig wenn es Hasenohren gibt, wenn ich nach Hause komme, bleibt sogar alleine mit meinen Freunden bei mir, wenn ich mal kurz weg muss (davor konnte man es vergessen. Sie heulte regelrecht bis ich wieder kam und saß die ganze Zeit vor der Tür.)

Sie bekommt nur noch Futter aus einem nahgelegenen Hundehaus, da mir ihre Ernährung sehr am Herzen liegt, was allerdings auch seine Zeit brauchte, denn Menschenessen bzw die Abfälle, waren vorher wohl das Einzige was sie bekam.

2-3 Mal gehe ich am Tag mit ihr raus, sie nimmt allerdings auch aktiv an unserem Leben teil. Sie fährt gerne Fahrrad, schwimmt gerne im See, mag Kinder, sind diese nicht zu wild oder geht auch mit mir joggen.

Am 2. liebsten sind ihr unsere Waldspaziergänge, wo sie wie ein Hase rumhüpft oder kurze Sprinteinlagen hinlegt. Und das ihr Liebste? Kuscheln.

Emma ist ein sehr kuschelbedürftiger Hund. Sie braucht oft meine Nähe, legt sich aber auch gerne mal alleine auf`s Sofa, pennt stundenlang um später wieder freudig mit anderen Hunden draußen zu spielen. Sie LIEBT andere Hunde, ist unglaublich selbstbewusst geworden und kommuniziert perfekt mit mir mit ihren Augen bzw Blicken. Ich weiß quasi immer, was sie von mir will. Auch ihr Blick hat sich sehr verändert. Wie gesagt, am Anfang hat man einfach immer nur ihr Leid gesehen, was sie die letzten Jahre erlebt hat.

Sie ist mein Seelenhund, mein Hund, der mir schon oft meine Tränen weggeschleckt hat, mir jeden Tag zeigt, wie sehr sie mich liebt und sie kann sich sicher sein, ich liebe sie mindestens genauso.

Jede schwere Zeit, jede Anstrengung und jeder Cent sind es mir wert für sie weil ich sehe, wie gut es ihr bei uns geht. Ich würde alles für sie tun, einfach nur, weil sie es verdient hat und der Weltbeste Hund für mich ist. Meine Emma, die heute so ist, wie sich das am Anfang kaum einer  hätte vorstellen können.

2 Comments

  • Reply Svea 8. Februar 2018 at 8:35

    Wunderschön und herzerwärmend. ❤️ Ich würde auch alles für mein Hundemädchen geben und so gerne mehr für solche armen Würmchen tun, denen es nicht gut geht auf dieser Welt. Das zerreißt mir immer wieder das Herz.

    • Reply jill 12. April 2018 at 21:59

      Ein Glück, dass es „uns“ gibt 🙂

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