Die Sache mit dem Führerschein

10. September 2018

Mit 28 Jahren habe ich es nun geschafft..ich habe endlich meinen Führerschein, der mich sage und schreibe knapp 2,5 Jahre Zeit gekostet hat.

Aber nein, das ist nicht die Norm, denn man kann das Ganze auch in 6 Monaten schaffen, aber ich bin vielleicht auch nicht wie jeder.

Ich bin anfangs regelmäßig zum Theorieunterricht gegangen und trotz ziemlich unterhaltsamer Lehrer, wurde meine Abstände immer größer, weil es ehrlich gesagt einfach nur sau langweilig war. Nach über einem Jahr schaffte ich dann alle 14 Stunden hinter mich zu bringen und hätte eigentlich, nachdem der ganze Schreibkram erledigt war, zur Prüfung gehen können, allerdings hätte ich dafür auch über 1000 Fragen auswendig lernen müssen, wovon grad mal 30 dran gekommen wären…und ich hatte ehrlich gesagt einfach keine Lust!

Als mein Stiefvater dann anbot mir das alte Auto meiner Mutter zu schenken, war meine Motivation wieder ziemlich gestiegen, denn wir wissen alle : Autos sind teuer!!

Mein Ehrgeiz war also wieder da und so fing ich an zu lernen, mit meiner App, die extra von meiner Fahrschule plus Zugangsdaten immer an meiner Seite war. 5 Tage gab ich mir Zeit, dann ging es schon in die Prüfung.

Mit extrem klopfenden Herzen sendete ich per Pc meine Prüfung ab, wurde 2 min später aufgerufen.

Sie haben bestanden mit 5 Fehlerpunkten. Nun, damit konnte ich leben und schrieb all meinen Freunden, dass ich nun den ersten Teil geschafft hatte.

Am nächsten Tag ging ich zu meiner Fahrschule und überreichte den Schein, mit voller Stolz. Paar Tage später hatte ich meine erste Fahrstunde, wusste allerdings nicht so recht, wie ich mich denn mit meinem Fahrleher verstehen würde..Gott sei Dank waren wir auf der selben Wellenlänge und so ging es dann los.

Nach meinen ganzen Pflichtstunden nahm ich weitere Stunden, hatte blöde und gute Fahrten.

An einigen würgte ich (ziemlich oft) das Auto ab, bekam immer mal wieder Panik, achtete nicht auf alles, hatte nach der Stunde einen klitschnassen Rücken oder Hintern.

Dann war mein Lehrer 3 Wochen im Urlaub und schrieb mir plötzlich : Hallo Jill, nächste Woche ist deine Prüfung!

Ich hätte ihn erwürgen können! Hätte ich also vor der Prüfung nur noch zwei Fahrstunden gehabt, war aber zu feige ihm zu sagen, dass ich das zu kurz finde, da er doch so lange weg war und ich mehr Stunden bräuchte.

Glücklicherweise bekam ich diese noch und konnte von 2 auf 4 Stunden erhöhen, bevor der Ernst also so richtig los gehen sollte.

Und naja, am Tag der Prüfung heulte ich erstmal. In der Prüfung fast auch, machte ich doch noch den ein oder anderen Fehler..am Ende dann der Prüfer : Mhm, sie bekommen ihn, weil sie wirklich fahren können, aber sein sie verdammt nochmal nicht zu nervös! Sonst machen sie, wie man sah, doch noch Fehler.

Ich weinte wieder, nahm meinen bestandenen Führerschein in die Hand (mit einem schrecklichen Foto), umarmte meinen Fahrleher und schickte 20 Menschen die schöne Karte, die mir nun erlaubte, überall herumzufahren.

Und was passierte? Meine Freundin, die zu dem Zeitpunkt zu Besuch war, steckte mich sofort in mein Auto und zwang mich zum fahren. Alleine hätte ich mich das übrigens nicht getraut, war es mir doch wichtig, am Anfang noch wen erfahrenes neben mir sitzen zu haben.

Mit Herzklopfen ging es los, eine drei Minuten Fahrt. Dann 20 und immer wieder kleinere Fahrten, den ganzen Tag über verteilt. Am zweiten Tag fuhr ich schon allein und ich fuhr echt überall hin! Holte meine Schwester ständig ab, fuhr meine Freunde zur Arbeit, holte sie ab, fuhr hier und da hin. Immer mit Angst und Herzklopfen..aber ich fuhr! Durch meine Angst.

Nach zwei Wochen traute ich mich dann mit meinem Freund auf die Autobahn, der hat nämlich auch schon seit 11 Jahren die Erlaubnis und eben die Erfahrung. War ehrlich gesagt kein Problem, dennoch war es für mich die beste Entscheidung erstmal mit der Autobahn zu warten und mein Auto „kennen zu lernen“. Muss natürlich nicht sein, kann hier nur für mich sprechen.

 

Nun fahre ich seit 6 Wochen, wurde anfangs oft und gern angehupt, fuhr gegen Mülltonnen, dachte in einer 30er Zone, dass es 50 wären und wurde bei 37 km/h geblitzt..parken kann ich immer noch so lala. Fuhr nach 2 Wochen in einen Nagel und musste abgeschleppt werden, da Platten, wurde von einer Polizistin rausgerufen und hach ja, wie oft mir an der roten Ampel mein Auto nicht ansprang..lassen wir das.

Und dennoch, nach alledem und grade mal paar Wochen des Scheins, fahre ich mittlerweile jeden Tag wie die Großen mit. Hupe selbst Idioten an (davon gibt es massig), fahre mehrere Stunden am Stück Autobahn, höre laut Musik und singe sogar mit.

Es macht mir mittlerweile einfach nur noch Spaß, auch wenn ich manchmal noch verfahre, aber diese Freiheit und Flexibilität, diese Gemütlichkeit : Ich mag sie wirklich nie wieder missen. 🙂

 

1 Comment

  • Reply Ani 12. Oktober 2018 at 15:00

    …hach Jill du bist einfach zauberhaft 💛
    Bleib bitte so wie du bist!

    Hab dich lieb
    (eine alte Freundin😘)

    P.S. ich bin auch grad (ENDLICH) dabei und freue mich zu lesen dass es dir ähnlich ging wie mir jetzt 😅🙈

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