Wie ich die Erziehung und das Vertrauen zu Emma aufgebaut habe

2. Februar 2019

Ich weiß, dass viele sich dafür entscheiden einen Hund aus dem Tierheim zu holen, aus der Tötung oder von Pflegestellen, wo diese vorher ausgesetzt oder von der Straße geholt und so gerettet worden sind. Adoptdontshop ist ein Wort, was viele mittlerweile aus den sozialen Medien kennen und auch ich habe mich vor fast 2 Jahren entschieden einen dieser Hunde zu mir zu holen und ihm ein schönes, besseres Zuhause zu schenken.

Vorneweg muss ich aber anmerken, dass meine Geschichte mit Emma auch anders ist, Emma nicht wie jeder Hund ist und viele ihre Unterschiede mit sich bringen, nicht jeder Hund verhält sich gleich, auch wenn er vielleicht die selbe Vergangenheit hat. Jeder dieser Hunde ist anders, reagiert anders. Es ist wie mit uns Menschen, wir haben schließlich auch alle einen anderen Charakter, reagieren anders. Damit möchte ich mich absichern , dass man diese Punkte nicht außer acht lassen darf.

Zur Vorgeschichte :

Emma hat ihre ersten 3 Jahre in Spanien bei Jägern verbracht. Ihre Rasse wurde gezüchtet, um dem Jäger bei seiner Jagd zu helfen. Diese fungieren als Suchhunde, die die Blutspur des an/geschossenes Wildes weiterverfolgen. Ihre Nasen sind ausgesprochen gut und viele können auf diese Rasse nicht verzichten. In Deutschland werden sie von Züchtern auch nur an Förster oder eben Jäger mit passendem Jagdausweis weiterverkauft, daher sieht man ihre Rasse auch eher selten in der Stadt, weswegen ich von anderen auch schon angesprochen wurde.

Das “Problem” bei Emma war allerdings, dass diese einfach keinen Lust auf diese Aufgaben hatte. Der Jäger bei dem sie war, passte das gar nicht. Er schlug sie, verbrannte sie, gab ihr anscheinend auch nur Müll zu fressen (machte sich sehr deutlich bei uns Zuhause. Sie wollte nur gewürztes Essen, verweigerte sämtliches Hundefutter). Zudem trat er sie auch die Treppen herunter, schnitt ihr ins Ohr, um sie irgendwie für die Jagd “scharf” zu machen. Das alles traumatisierte ihre Seele so ziemlich, aber wer kann ihr das verübeln.

Nach 3 Jahren hatte es dem Mann gereicht und er brachte sie in die Tötungsstation, wo sie als “Nutzlose” erschossen werde sollte. Eine Organisation, die es heute leider nicht mehr gibt, rettete sie vor dem Tod und packte sie mit ihrer Vorgeschichte auf deren Internetseite. Als ich diese eines Tages besuchte, war sie der 3. Hund den ich sah und ja, ich wollte auf keinen Fall weiter schauen, weil ich wusste : DAS ist sie.

Nach 5 Wochen holte ich sie in Grünberg, 2 Stunden Autofahrt von mir entfernt, ab.

Die Fotos aus dem Transporter, die man uns per Whatsapp schickte, zeigten einen unglaublichen traurigen Hund, der permanent aussah, als würde er weinen. Der Kopf hing immer nur traurig runter und sie hatte wirklich immer eine Träne runterhängen. Diese war auch nach Tagen noch immer da, glaubt es mir oder nicht, aber mit ihren Augen war alles in Ordnung. Diese Träne verschwand aber eines Tages, an dem Tag, als sie Vertrauen zu mir aufbaute..

Als ich sie das erste Mal sah, kam ein ziemlich schwacher, schlanker Hund mit den außergewöhnlichsten Augen auf mich zu. Der Schwanz wedelte leicht, der Blick voller Traurigkeit. Ich streichelte ihren Kopf, roch an ihrem Fell, das so warm war unter meinen Händen. Als wir zum Auto gingen, gab ich ihr etwas Reis und Hühnchen, wovon sie nur paar Bissen nahm. Im Auto lag sie durchgehend auf meinem Schoß und ich konnte nicht aufhören zu weinen, weil ich all ihren Schmerz spürte.

 

Wie es weiter ging :

Emma mochte keinen Fernseher oder Musik hören. Sie wollte ihr Essen nicht, ging immer wieder nur an den Mülleimer. Heulte nachts wenn ich kurz weg war, bei der Tanke oder bei meiner Freundin, konnte nicht alleine bleiben, auch da heulte und bellte sie. Sie wollte aber auch nie rausgehen.

Meine Küche wurde zu ihrem Hundeklo, der Teppich meiner Tochter ebenfalls…und der Teppich im Wohnzimmer…ach mittlerweile zählen wir 8 Teppiche die sie versaut hat. Sie biss mir in die Wände, meine Schuhe, Unterlagen und Klamotten zerriss sie ebenfalls.

Machte ich Küchentüren auf, schmiss sie sich hilflos auf den Boden, unterwarf sich. Was sie aber nie tat, war das beißen. Heute knabbert sie mir meist an meinem Kinn, aber das soll wohl ein Liebesbeweis sein. 😀

Nun, ich war natürlich oft verzweifelt, gab ihr aber Zeit für alles. Wie ging ich also alles an?

Da ich von Zuhause arbeiten kann, ging ich ca 10 Mal am Tag mit ihr vor die Haustür. Wenn ich nicht aufpasste, klaute sie mir meinen Kaffeebecher, den mir meinen Freundin immer vorbeibrachte. Ansonsten blieb sie immer mit mir unten und beobachtete diese wilde Stadt. Kamen allerdings Männer vorbei, besonders dunkelhaarige, wollte sie schnell nach oben oder verkroch sich in die Ecke und suchte hilflos die Flucht.

Wollte ich mal mit ihr zu meiner Freundin, schleppte ich diesen schweren Hund auf meinem Arm, denn die ging einfach keinen Schritt!! Gleichzeitig übte ich mit ihr das Alleinsein. 5 Minuten. 10 Minuten. 15 Minuten usw. Anfangs bellte sie, da kam ich wortlos rein. Als es nicht besser wurde, überlegte ich mir einen Satz : Bis gleich!

Den sagte ich fortan immer wenn ich ging und lächelte dabei.

Irgendwie checkte sie das und wenn sie ruhig blieb, kam ich rein, kuschelte sie und gab ihr etwas Fleischwurst (es musste einfach was “Besonderes” sein. Diese Wurst setzte ich auch ein, um sie stubenrein zu bekommen.) Heute bleibt sie problemlos stundenlang allein. Bis zu 10 Stunden, was allerdings sehr selten vorkommt. Aber so 5-7 Stunden kommen gerne mal vor, wenn ich von Termin zu Termin hetzen muss. Sie pennt in dieser Zeit einfach. Dazu muss man aber auch sagen : Sie schläft sehr gerne. 😀

Nach 3 Wochen täglichem Runtergehen und vor der Haustür sitzen, ich saß mit meiner Freundin um ca 23 Uhr und Emma unten, trank Wein und spielte Karten, ging sie plötzlich von alleine los! Ein Wunder war geschehen!

Seitdem traute sie sich immer mehr zu laufen. Manchmal nur paar Meter, dann blieb sie wieder stehen und wollte zurück, aber es wurde von Tag zu Tag besser. Eines Tages war ich so mutig und packte mein Rad und sie lief einfach mit. Wir waren im Wald, wo sie ihr großes Geschäft erledigte und tadaa, ich feierte ne Party, gab ihr ein fettes Stück Wurst und Emma freute sich genauso wie ich 😀 . 5 Wochen später war sie tatsächlich stubenrein. Das Kind freute sich auch sehr, konnte sie doch endlich ihr Kinderzimmer wieder offen lassen und ohne Angst auf ihren Teppich treten.

Zuhause wurde es auch immer besser. Sie gewöhnte sich an die Geräuschkulisse, knurrte auch meine Freunde nicht mehr an, denn das war auch ein Problem. Sobald neue Leute bei uns Zuhause waren, bekam sie panische Angst!! Das weg zu bekommen, hat allerdings erst vor 6 Monaten aufgehört. (Bei neuen Leuten oder bei denen, die sie noch nicht sooft gesehen hat). Heute denke ich mir, hat sie wohl verstanden, dass wenn Leute von mir kommen, dass das auch nur liebe Menschen sind, die ihr nichts tun werden.

Mit dem Essen hab ich es mittlerweile auch geschafft, denn sie wird gebarft und das schmeckt ihr außerordentlich gut.

 

Wie hab ich das mit der Leine hinbekommen?

Emma lief echt kacke an der Leine. Ständig zog sie, man hat das genervt. Und ohne kann man am Anfang vergessen! Bei lauten Geräuschen wollte sie ständig abhauen, deswegen bitte bitte ein gesichertes Hundegeschirr nutzen! Denn aus dem Halsband können sie sich befreien und sind weg!

Als sie sich an ihre Umgebung langsam gewöhnte, wurde es besser. Sie hörte auch auf das Wort “langsam”, da gab es auch immer ihr persönliches Leckerli, wenn sie dann wirklich langsam wurde. Hat aber auch 1 Jahr ca gedauert..nur mal zur Anmerkung. Ich blieb dann einfach stehen, zog leicht an der Leine, dass sie meine Geschwindigkeit annahm und dann eben das Leckerli geben, davor das Wort “langsam” klar und deutlich sagen.

Nach 2 Monaten nutzte ich die Schleppleine, weil Emma draußen einfach auch mal rennen muss. Sie braucht das. Die Leine nutzte ich eine Woche, rief sie immer wieder zu mir, pfiff und zack war sie da, gab`s wieder ein Leckerli. Nach dieser Woche ließ ich sie mit Herzklopfen von der Leine, rief und sie war da. ABER sie hört nur auf mich. Wenn andere sie rufen, tut sie auf taub.

Jetzt nach fast 2 Jahren ist sie tatsächlich den meisten Menschen SEHR aufgeschlossen. Bei Männern braucht sie noch ihre Zeit, sind diese aber lieb und setzen sich auf ihre Höhe hin, mag sie auch sehr gern von diesen gestreichelt werden, jedoch den Blick immer wieder zu mir gerichtet. Ich bin ihre Sicherheit.

Emma ist extrem kuschelbedürftig und bekommt viele, viele Streicheleinheiten von mir. Denke das hat auch dazu geführt, dass sie mir blind vertrauen kann. Wenn sie Mist gebaut hat oder heute auch was macht, was nicht so cool ist, dann kommt immer ein energischen “Nein!“ von mir. Niemals diese Hunde schlagen!!!!! Man braucht einfach Geduld. Grenzen setzen und Liebe geben, hat sie einfach zu meinem besten Weggefährten gemacht.

Diese Hunde sind einfach voller Angst, Unsicherheiten. Ihre Probleme werden nicht innerhalb 2 Wochen gelöst..sie brauchen Zeit, aber hat man die Geduld und die Kraft, glaubt mir…es lohnt sich sooooo sehr.

 

                     

 

 

 

 

 

 

2 Comments

  • Reply Conny 2. Februar 2019 at 14:21

    Danke ❤️ Danke für Menschen wie dich.

  • Reply Leah 28. Mai 2019 at 19:56

    Unglaublich schöner Beitrag. Sehr, sehr schön geschrieben! Ich wünsche mir schon seit Jahren einen Hund… hatte aber oft Respekt vor der Arbeit die dahinter steckt. Aber ich glaube das ist etwas was man sich nicht vorenthalten sollte… diese Liebe eines so dankbaren Tieres verspüren zu können. 🙂

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