Mein Traum von einem Hundehaus

5. Dezember 2019

Vor genau einem Jahr hatte ich eine Idee. Eine große Idee. Ich hatte bisher schon einen Hund gerettet und was wäre eigentlich, wenn ich noch mehr retten würde?

 

Aber erstmal von Anfang an..

Mein Leben lang liebte ich schon Tiere, hatte einen Hamster, Katzen (bis ich echt allergisch wurde und bis heute werde ich nicht wirklich warm mit denen, außer mit einer 19 jährigen Katze meiner Freundin) und ein Pflegepferd, aber nie einen Hund. Doch immer wenn ich mit diesen Wesen namens Hunde in Berührung kam, war es einfach irgendwie  anders, als bei den anderen Tieren. Es fühlte sich so verbunden an. Etwas berührte mich extrem, ließ mich nicht mehr von ihnen loskommen und ich kann es mir bis heute nicht erklären, genieße einfach die Verbundenheit und das Gefühl damit.

Ob ich denn schon mal angegriffen wurde von einem Hund, die Frage wurde mir schon öfter gestellt und die kann ich mit “ja” beantworten.

Mit ca 5 Jahren wollte ich mit dem Fahrrad zum Kindergarten, ging mit meiner Mutter in den Hauskeller um es zu holen und oben wieder angekommen, öffnete meine Mutter die Haustür, vor uns ein Mann mit seinem Boxer. Scheiße, war der Hund groß und Mama? Die unterhielt sich plötzlich mit dem Mann, bekam gar nicht mit, dass mir das Herz fast stehen blieb. Ich ging trotzdem langsam vor die Tür, bis der riesige Hund immer näher kam, mich fest in seinem Blick gefangen hielt und plötzlich anfing mich anzuknurren, was letztendlich in mir nur noch ein Alarmsignal signalisierte und ich anfing, im Hof vor ihm weg zu laufen…ganz dumme Idee! Das Tier natürlich hinter mir her, ich immer schneller im Kreis gelaufen, meine Mutter nur am schreien und der Besitzer völlig überfordert seinen Hund am rufen, der null gehört hat.

Plötzlich stürzte ich, schlug mir beide Knie blutig auf und der Hund? Er kam plötzlich ganz langsam an, schaute auf mich herunter und machte eine Kopfgeste, als wolle er sich entschuldigen. Voller Panik fing ich erstmal an zu weinen und naja, ließ das Fahrrad an dem Tag dann doch Zuhause.

Drei Jahre später griff mich ein Hund im Wald an und versuchte mir in den Arm zu beißen. Wenig später wollte ich einen Hund in der Bahn streicheln und der wiederum schnappte nach meiner Hand.

Aber Angst schlich sich nicht bei mir ein, ich hatte eher Respekt und wollte sie verstehen können, warum und wieso sie sich so verhalten, wie sie es eben in bestimmten Situationen tun. Und mit 20 Jahren, ja da ging ein kleiner Traum für mich in Erfüllung, denn ich sollte für 2 Monate eine Hundemama spielen. Es ging um den 13 Jahre alten Pitbull “Speedy”, den ich liebevoll nur noch “Slowly” nannte, denn der Schnellste war er gewiss nicht mehr. Er gehörte dem Arbeitskollegen von Mia`s Papa und der musste halt auf Montage, wusste, wie sehr ich Hunde liebe und fragte mich direkt als Erste. Ihr hättet mein Gesicht sehen müssen, als ich wusste, ich werde die nächsten Wochen einen Hund haben!

Speedy traf also den ersten Tag bei mir ein und ja..er pinkelte mir als erstes schön in die Wohnung, legte sich auf mein Bett und versuchte mich plötzlich zu besteigen, zu testen, wer ist hier eigentlich der dominante und wer hat hier das sagen? Wir reden hier von einem 35kg schweren Pitbull, ja, er war alt, aber er war auch verdammt massig. 😀

Ich hatte keine andere Möglichkeit sein Spiel mitzuspielen und legte mein ganzes Körpergewicht von damals ca 50 kg auf ihn drauf…und er kämpfte! Versuchte immer  wieder die Oberhand zu bekommen, bis ich ihn richtig packen konnte und er nicht mehr die Möglichkeit besaß, sich zu befreien. Ja, so lagen wir dann sicher erstmal noch ne Minute, ich völlig fertig, was jetzt eigentlich als nächstes passierte.

Als ich mich langsam von ihm löste, war ich fix und fertig und Speedy?? Er schaute mich an, legte seinen riesen Kopf auf meinen Schoß und schlief ein. Ab da an begriff ich, was Hunde eigentlich sind : Es sind so unglaublich unterschiedliche Charaktere, die wie wir Menschen ihr Wesen haben und sich untereinander auch wieder komplett unterscheiden. Von Rasse zu Rasse, Zuchthund oder Mischling.

Die nächsten zwei Monate waren einer der schönsten meine Lebens. Er hörte aufs Wort, ich nahm ihn oft mit in den Park, wo sein Hintern mein Kissen wurde und er geduldig wartete, bis ich mein Buch zu Ende las. Eines nachts gingen wir gemeinsam unsere Runde und ich muss zugeben, mein damaliger Wohnort in Hannover, war nicht grad der Beste. Drogen wurden vor meiner Tür verkauft, Polizei war jeden Tag gefühlt vor Ort und wenn ich mal vom feiern kam, durfte mein Pfefferspray nicht fehlen. An diesem besagten Abend kam mir einer der Alkoholiker im Ort mit lauten Beschimpfungen entgegen. Er lallte und brüllte mir Sachen entgegen, ich bekam Angst, aber mein Speedy, der wirklich lahm war, nahm plötzlich Anlauf und sprang in Richtung des Mannes, schnappte ihm wenige Zentimeter vors Gesicht, sodass der Mann Panik bekam und sofort weg lief. Mein Herz bebte und Speedy sah mich nur an nach dem Motto : Den sind wir los, du bist in Sicherheit.

Auch als ich an einem Abend Ärger mit Mias Papa hatte, ich saß alleine im Wohnzimmer auf dem Sofa, Speedy schlief drüben in meinem Bett, da passierte wieder etwas, was ich nie wieder vergessen werde.Er bellte wirklich nie, nie! Aber als er mitbekam, wie die Stimmen erhoben wurden, ließ er einen tiefen Bell von sich hören, tapste ins Wohnzimmer, sah Mias Papa an, ließ ihn nicht aus den Augen und ich beobachtete nur noch, wie er sich zu mir aufs Sofa begab, seine Pfote auf mich legte und Mias Papa nur noch anstarrte, so ganz nach dem Motto : Werd noch einmal laut und ich zeig dir, was ich davon halte.

Als ich Speedy wieder abgeben musste, starb er zwei Wochen später.. und etwas starb an dem Tag auch in mir.

Mein Beschützer starb, der Hund der mir zeigte, was Liebe ist. Bedinungslose Liebe, nachdem die Rollen klar verteilt wurden und ich genau merkte, dass er das auch brauchte, weil er sonst seinen Platz nicht kannte.

Mein Leben verlief dann erstmal ohne einen Hund, dennoch hatte ich immer den Wunsch,  mir irgendwann einen eigenen zu holen.

 

Vor ca 2,5 Jahren war es dann soweit, ich wusste ich darf in meiner Wohnung einen Hund halten und habe die Zeit, denn es sollte keiner vom Züchter werden. Ich hatte viel über den Tierschutz gelesen, über Hunde, die ein Zuhause suchen, wo sie vorher eher schlecht behandelt wurden. Über einen Bekannten kam ich auf eine Organisation, die es heute leider nicht mehr gibt und sah auf der ersten Seite eine Hündin namens Alexia. Sie war der 3. Hund auf der Seite. Ich las ihre Beschreibung : Kinderfreundliche, bayrische Gebirgsschweißhündin die aus Spanien kommt. Gerettet aus der Tötungsstation, wo sie erschossen werden sollte. Sie hätte nach ihren qualvollen Jahren nur noch ein königliches Leben verdient. Gezüchtet wurde sie nur, weil sie als Jagd und Suchhund funktionieren sollte, was sie aber nicht tat. Ja, ihre Rasse ist dafür bekannt und in Deutschland wird ihre Rasse nur an Jäger und Förster weiter vermittelt, mit entsprechenden Schein. Aber Alexia war eben nicht das, was sich der Jäger in Spanien erhofft hatte. Er schlug und trat sie, sie durfte nur Müll fressen und nicht in die Wohnung. Er schnitt ihr paar mal ins Ohr, um sie “scharf” zu machen, verbrannte sie und was passierte mit ihr daraufhin? Sie verkümmerte und ging ein. Wurde ein sogenannter Angsthund. Und diese Hündin durfte dann zu mir kommen, ich durfte ihr ein neues Leben schenken. Wenige Wochen später traf sie nach 16 Stunden Fahrt in Deutschland ein, ihre Fotos von der Fahrt werde ich nie vergessen. Der Kopf hing runter, an dem linken Auge immer irgendwie eine Träne.

Als ich sie das erste Mal sah, kam meine “Emma” langsam auf mich zu, sah mich mit ihren treuen, traurigen Augen an und ich fing an zu weinen. Ich packte sie ins Auto, meine Mutter fuhr los und Emma lag die ganze Fahrt komplett erschöpft auf meinem Schoß. Etwas Reis und Hühnchen hatte ich dabei, aber sie hatte keinen Hunger und wollte einfach nur schlafen. Sie war auch krank, bekam ihre Antibiotika und unsere gemeinsame Zeit fing an.

Emma wollte nicht raus, hatte durchgehend Angst. Lief der Fernseher, verließ sie den Raum. Öffnete ich die Küchentüren, unterwarf sie sich, waren wir draußen, ging sie plötzlich nicht mehr weiter und sah sie einen Mann, bekam sie extreme Angst, vor allem wenn dieser schwarze Haare hatte. Sie zitterte aufs heftigste.

Ich zwang sie also nicht mehr raus, hatte ich auch nicht immer die Kraft diesen 20kg Hund zu tragen und so saßen wir die nächsten 3 Wochen immer nur noch vor der Haustür. Jeden verdammten Tag. Ich trank Kaffee mit Freunde, arbeitete am Laptop, spielte Karten, trank Wein und telefonierte, lernte alle Menschen in meiner Straße kennen. Und Emma saß einfach immer nur da. Sie machte mir auch sehr sehr oft Haufen in meinen Küche, pinkelte ALLES voll und zum Tierarzt durfte ich wegen ihren Nieren und Ohren auch ständig. Sie wollte ihr Futter nicht essen, nahm ständig den Mülleimer auseinander, bis ich mir einen robusteren zulegen musste und nur noch stark gewürztes Hundefutter kaufte, denn das kam dem “Menschenessen”, was sie gewohnt war, am nächsten. Auf mein Bett wollte sie auch nie, nicht mal auf den Teppich. Immer nur auf den kalten Boden. Trug ich sie aufs Bett, sprang sie sofort wieder runter. Ging ich ohne sie aus dem Haus, heulte sie. Meine Bekannten dachten, ich gebe auf, meine Freunde wusste, ich würde dies nie tun und das tat ich auch nicht.

Eines Tages lief Emma dann nachts von alleine los, wurde zwei Wochen später zu 90% stubenrein und kam langsam an. Wir zogen um, sie entwickelte sich alle 6 Monate ziemlich ins Positive und ja, nach 2,5 Jahren habe ich wohl den besten, treuesten und faulsten Hund der Welt. Denn Emma hat etwas, was alle Hunde dieser Welt haben : Ihren eigenen Charakter. Ich lese meinen Hund, kommuniziere mit ihm, nur halt anders als mit meinen Freunden und das ist der Punkt. Der Hund redet mit dir, aber eben nicht mit Worten. Heute schläft sie am liebsten in meinem Bett, auf dem Sofa oder in ihrem Körbchen. Auf den kalten Boden legen? Nie wieder. Angst? Vor Männern? Keine Spur, auch das Knurren hat aufgehört und das war jedesmal sehr bedrohlich. Das einzige was sie noch hat, ist, dass sie mit niemanden rausgeht, wenn ich auch in der Wohnung bin und lasse ich sie mal bei wem anderes, wartet sie die ganze Zeit vor der Tür, bis ich zurück komme. In ihrem eigenen Zuhause ist sie sehr entspannt. Ach und sie hat Angst vor knallen, zu lauten Geräuschen. Das schönste bis heute sind allerdings ihre Blicke, die sie mir zuwirft, ihr Verhalten, was sich sooo verändert hat und ihre Liebe. Wie oft vergräbt sie ihren Kopf in meinen Hals, legt sich komplett auf mich drauf und schmust mit mir. So verdammt oft.

Vor ca 8 Monaten war ich dann ohne sie in Polen, in einem Tierheim helfen und sah meinen nächsten Hund. Nala, ausgebüchst von ihrem Zuhause, wo sie ebenfalls nur Gewalt kannte. Ich nahm sie mit, denn ich wusste : Du bist mein nächster Hund, darf zwar keinen mehr halten, also kommst du zu meiner Schwester, aber du musst hier raus!!! Wie eigentlich alle, aber bei ihr hatte ich wieder dieses..Gefühl.

 

Letztlich merkte ich später, dass Nala eigentlich eine Katze ist, keinen Krach macht und so wohnte sie dann doch bei mir und auch die Maklerin des Hauses hatte nichts dagegen. Nala wurde allerdings erst nach Moooonaten stubenrein, zerstörte alles in der Wohnung, verliebte sich in meine Emma und ich mich immer mehr in sie.

Ab jetzt müsste jedem klar sein, dass egal wie ein Hund drauf ist, er nicht von mir weg gegeben wird. Ich möchte diesen Tieren Geduld und Liebe plus eine große Portion Erziehung nahe bringen. Sie auffangen und unterstützen, ein Hund zu werden, den jeder gern bei sich hätte und wo Hunde ohne Angst leben können. Viele haben nicht die Geduld oder Erfahrung und da kommt mein Traum ins Spiel.

 

Nach sämtlichen Telefonaten mit verschiedenen Veterinärämtern und Tierheimen, wird es wie folgt aussehen :

Ich werde ein kleines Haus bauen, was ich für mich und meine Familie eh vorhatte, jedoch werden die Bereiche anders aussehen, wie bei anderen Familienhäusern. Der untere Bereich wird für ca 10 Hunde, die von überfüllten Tierheimen und Tötungsstationen zu mir können, ausgebaut. Draußen wird es eine Bereich geben plus eine Quarantäne. Zudem werde ich eine Ausbildung zur Hundetrainerin machen, wofür ich auch schon bei der Hundeakademie Köln auf der Warteliste stehe. 2 Jahre wird diese gehen, dazu werde ich ab Januar 2020 in einem Tierheim aushelfen. Rausgehen mit den verschiedensten Hunderassen, festes Mietglied werden, Erfahrungen sammeln. Dazu später die Ausbildung um die Sachkunde nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetztes NRW zu bestehen bzw überhaupt dazu zugelassen zu werden.

In der Zeit spare ich mein Geld, schaue welches Grundstück ich nächstes Jahr schon kaufen kann, mit einem zusätzlichen Kredit und für welche Baufirma ich mich entscheide. Über Vitamin B habe ich tatsächlich einen Bauleiter gefunden, der ebenfalls im Tierschutz tätig ist. Ende Dezember werde ich mehr erfahren und wie man vorgehen wird.

In 3 Jahren sollte das Ganze stehen und bereit sein. Ich werde wahrscheinlich der glücklichste Mensch der Welt sein.

Die Hunde werden von mir aufgefangen, resozialisiert, ausgebildet und erzogen. Sie sollen sie selbst sein dürfen, sich dennoch seinem Herrchen oder Frauchen anpassen können. Ich werde nicht zu emotional sein dürfen. Viele schrieben mir, dass sie sowas niemals machen könnten, ich denke mittlerweile, wie meine Freundin mal so schön sagte : Denkst du hier egoistisch, dann rettest du einem Hund weniger. Für die Hunde, die nochmal eine Chance bekommen, willst du einfach nur das Beste und stellst dein Wohl ein Stück zurück. Aber dafür schenkst du ein neues, viel besseres Leben.

Wichtig wird mir später sein, zu wem sie zu dürfen. Wer sich einem annehmen möchte. Wird er gut aufgehoben sein? Kann man ihm gerecht werden. Ich hoffe inständig, dass keiner dieser späteren Hunde jemals wieder geschlagen wird oder sonstigen Gewalttaten ausgesetzt werden muss. Die Hunde werden auch nur mit einem Schutzvertrag abgegeben. Sollte einer den adoptierten Hund wieder abgeben wollen, kommt er sofort zurück zu mir.

Dennoch hoffe ich jetzt schon, dass das nicht passiert, dass sie ankommen dürfen und dort bleiben können. Bei ihren neuen Familien.

Gibt mir noch etwas Zeit, wenn ich mit so vielen verschiedenen Seelen arbeiten möchte, dann brauch ich die Erfahrung, die Ausbildung..aber dennoch : Das wichtigste ist Hunde lesen zu können, mit diesem einem, kleinen, bestimmten Gefühl.

Seit einem Jahr rede ich von gefühlt nichts anderem mehr. Und sei es in meinen Gedanken. Das wird was. Was großes, schönes…und verdammt tolles werden.

4 Comments

  • Reply Mahela 5. Dezember 2019 at 23:21

    wow! Mit so einem Willen kann es ja nur was werden, da bin ich mir ganz sicher. Super gut geschrieben:-)

    • Reply Jill 13. Dezember 2019 at 10:10

      daaanke 🙂

  • Reply Luiss 6. Dezember 2019 at 7:13

    Dein Text hat mich sehr berührt und ich verstehe jetzt immer immer wir sehr Besitzer ihre Hunde lieben 👏 ich wünsche dir alles Glück bei deinem Vorhaben und freue mich dich auf instagram und hier zu begleiten und Neuigkeiten zu erfahren. Liebe Grüße Luisa von Kirscheplus3

  • Reply Jill 13. Dezember 2019 at 10:10

    danke dafür 🙂

  • Leave a Reply

    Warenkorb Artikel entfernt Undo
    • Keine Artikel im Warenkorb